Waffen weg!

Initiative "Waffen weg!" im Land Salzburg
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Pressemeldungen

Aus den Salzburger Nachrichten vom 15. Juni 1999:

Familiendrama: 5 Tote in Salzburg 

STRASSWALCHEN (SN). Montag wurden in einem Reihenhaus fünf Tote entdeckt. Offenbar hatten der Deutsche Herbert Rach (33) und seine Lebensgefährtin Claudia Steinbach (31) aus Mattighofen beschlossen, mit den Kindern aus dem Leben zu scheiden. Auch Rachs Buben Daniel (8) und Christian (6), die am Wochenende beim Vater zu Besuch waren, sowie Steinbachs Tochter Jacqueline (4) lagen erschossen im Schlafzimmer. Daniel hatte am Sonntag seine Mutter in Kärnten angerufen: "Papa will uns nicht zurückbringen. Mama, bitte hilf uns." (Siehe Seite 5 und im Regionalteil Seiten 1,4,5,6) 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 16. Juni 1999

Hände weg von den Waffen
Manfred Perterer 

Straßwalchen, der Tag danach. Es quält uns die Frage nach dem Warum. Nach bewährtem Muster versuchen wir, die Ursachen zu erforschen. Das hilft bei der Aufarbeitung solcher menschlichen Katastrophen. Doch wir kommen nicht recht weiter. Schulden als Motiv? Eine zerrüttete Ehe? Das sind bestenfalls Denkansätze. Eine rationelle Erklärung für solche mörderischen Verirrungen gibt es nicht. Auch wenn wir sie gerne hätten. 
Also muß auch unsere Suche nach dem Ausweg erfolglos bleiben. Bemühen sollten wir uns dennoch darum. 
Beginnen wir noch einmal beim Thema Waffen. Sie haben im Besitz von Privatpersonen nichts zu suchen. Die Liste der Amokläufer, Verzweiflungstäter, Affektmörder ist zu lang. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Schluß mit der Geschichte, wonach man einen Menschen ja auch abstechen, erwürgen oder sonstwie ins Jenseits befördern könne. Sie stimmt natürlich. Und es behauptet auch niemand, daß der Massenmord von Straßwalchen durch ein generelles Waffenverbot verhindert worden wäre. Aber es hätte zumindest eine kleine Chance bestanden. Und Leben verdient jede Chance. 
Noch wichtiger als die harte Hand des Gesetzes ist aber die menschliche Zuwendung. Doch, bemerken wir es überhaupt noch, wenn es Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung schlecht geht? Haben wir Augen und Ohren für ihre Verzweiflung? Oder sind wir längst blind und taub geworden? Können wir uns überhaupt vorstellen, wie dunkel das Loch ist, in das Verzweifelte tiefer und tiefer fallen? Ihnen müssen wir die Hände hinhalten, von den Waffen sollten wir sie weglassen. 


... und weiter vom 16. Juni 1999:

363.000 Waffen-Dokumente ausgestellt
Knapp 20.000 Bewilligungen in Salzburg - Alte Fälle nicht "aufgerollt"

SALZBURG (SN). Seit Jahren wird in Österreich über die Verschärfung des Waffengesetzes diskutiert. Auf ein Verbot von Feuerwaffen im Privatbesitz, wie in Großbritannien, konnten sich die Politiker nicht verständigen. Vor allem die ÖVP blockt ab. 
In Österreich gibt es 363.000 Dokumente, die zum Besitz oder zum Führen einer Waffe unterwegs berechtigen. In Salzburg haben Polizei und Bezirksbehörden 6.919 Waffenpässe und 12.559 Waffenbesitzkarten ausgestellt. Wie viele Gewehre oder Pistolen in Privathäusern lagern, läßt sich an diesen Zahlen aber nicht abzulesen: So kann ein Dokument zum Besitz mehrerer Waffen berechtigen. Auf der anderen Seite muß ein Berechtigter aber nicht notwendigerweise eine Waffe haben. Amokläufer Herbert Rach zum Beispiel durfte seit 1995 Waffen besitzen, kaufte sich seine Revolver aber erst ab Herbst 1998. 
"Eine Waffe im Haus bedeutet mehr Gefahr für alle", betont NAbg. Anton Leikam (SPÖ), Vorsitzender im parlamentarischen Innenausschuß, der über die Verschärfung des Waffengesetzes berät. Die SPÖ fordert, daß künftig nur noch ein einziges Dokument zum Besitz und zum Führen von Waffen in der Öffentlichkeit berechtigt. Der Personenkreis soll radikal eingeschränkt werden. 
Seit 1. Juli 1997 müssen Personen, die Waffen haben wollen, zum Psychotest. Wer vorher Waffen hatte, ist nicht betroffen. Voraussetzung, um eine Waffe legal zu erwerben, ist auch ein positiver Leumund. Seit 1999 müssen Waffenhändler zudem eine Schulung anbieten (Waffenführerschein). Die "Abkühlphase" von drei Tagen soll verhindern, daß ein Käufer seine Waffe im Affekt erwirbt und sofort benützt. Die sichere Verwahrung der Waffen wird von den Behörden in der Regel alle fünf Jahre überprüft. 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 15. Juni 1999:

Eine Katastrophe folgt der anderen
Manfred Perterer 

In welcher Zeit leben wir! Eine Katastrophe folgt der anderen. Blut fließt in der großen, weiten Welt und hier bei uns vor der Haustür. Lassing, Galtür, der Krieg, der Tunnel, jetzt die Tragödie in Straßwalchen. Bilder und Geschichten des Grauens. Am liebsten möchte man sich verstecken vor so viel Leid, Angst und Haß, will nichts mehr hören von Tod und Elend, sich verkriechen in seine kleine, heile Welt, solange sie's noch ist. 
Selbst abgebrühte Reporter macht die anhaltende Serie negativer Schlagzeilen betroffen. So als ob wir in einer Spirale der Grausamkeit gefangen wären, als ob das Schlechte ansteckend wäre und immer neues Leid nach sich zieht. 
Sprachlos stehen wir vor den menschlichen Abgründen, die sich da in Straßwalchen aufgetan haben. Was bewegt eine Mutter, einen Vater dazu, sich selbst zu töten und ihre unschuldigen Kinder ins Grab mitzunehmen? 
Und wieder waren Schußwaffen im Spiel. Diese todbringenden Maschinen, die das Umbringen von Menschen auf einen mechanischen Vorgang reduzieren. Was haben, so fragt man sich, zwei Revolver im Haus eines gedemü-tigten, vom Leben abgeworfenen, arbeitslosen, geschiedenen, schwer verschuldeten, mit sich und der Welt unzufriedenen, nach Vergeltung dürstenden Mannes zu suchen? Nichts. Absolut nichts. Es ist müßig, jetzt dar-über zu spekulieren, ob zumindest vier Menschen heute noch am Leben wären, hätte der Mann keine Waffen besitzen dürfen. Es ist aber erforderlich darauf hinzuweisen, daß hier der Staat wieder einmal den Falschen mit dem Recht ausgestattet hat, sich zu bewaffnen. 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 18. Juni 1999:

Jeder zehnte ein Sicherheitsrisiko
Manfred Perterer 

Die Tragödie von Straßwalchen hat in Salzburg zur erwarteten Diskussion über den Besitz von Waffen geführt. An jedem Stammtisch wird darüber diskutiert, ob durch ein Waffenverbot solche Wahnsinnstaten verhindert werden könnten oder nicht. Während Männer eher zum Nein neigen und meinen, man könne ja auch mit Messern, Giftbechern oder anderen Werkzeugen, ja selbst mit bloßen Händen morden, so tendieren Frauen zu einem generellen Waffenverbot. 
Keine Notiz von der Bewegung in der Bevölkerung nimmt die Politik. Das Thema ist vor allem für die Großparteien ausdiskutiert. Nach dem beschämenden Schauspiel bei der letzten Waffendebatte im Parlament wollen SPÖ und ÖVP davon nichts mehr wissen. 
Dabei bestünde gerade jetzt Handlungsbedarf. Sagt uns doch der Chef jener anerkannten Einrichtung, die Anwärter auf Waffenscheine auf ihre psychologische Eignung testen, daß um das neue Gesetz nicht alles zum besten bestellt sei. Etwa, daß ein Möchtegern-Pistolero, sollte er beim Psycho-Test durchfallen, ganz einfach einen anderen Psychologen aufsuchen kann. Scheitert er auch hier, steht ihm der Weg zu einem weiteren frei. Und so weiter. Solange, bis er irgendwann durch die Maschen schlüpft. 
Noch ungeheuerlicher ist die Aussage des Experten, wonach wohl jeder zehnte, der noch aus früheren Jahren einen Waffenschein besitzt, als potentielles Sicherheitsrisiko einzustufen ist. Mag sein, daß der gute Mann ein wenig auf neue Psychiatrierungsaufträ-ge für sein Institut spekuliert. Mag aber auch sein, daß er Recht hat. Dann gnade uns Gott. 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 19. Juni 1999:

SP-Chef: Waffen weg!
Buchleitner fordert Waffenverbot für Privatpersonen - 2000 ungeeignet

SALZBURG (SN-per). Rund 2000 von insgesamt 20.000 Waffenbesitzern im Bundesland Salzburg sind psychisch labil, alkoholkrank oder in einer anderen Form psychisch und physisch beeinträchtigt. Sie sind daher ein Sicherheitsrisiko für ihre Umwelt. Nach heutigen Kriterien würden sie keinen Waffenbesitzschein mehr bekommen. Das Gesetz sieht aber keine psychische Überprüfung jener Waffenbesitzer vor, die bereits vor 1998 eine Erlaubnis hatten. Auf diese brisante Situation machte der Salzburger Verkehrspsychologe Wolf Dietrich Zuzan (siehe SN vom 18. Juni) aufmerksam. Zuzan untersucht im Kuratorium für Verkehrssicherheit Waffenschein-Anwärter auf ihre psychische Verläßlichkeit. Heuer waren es bereits 64. Mehr als 30 Prozent davon wurden ohne Waffenschein nach Hause geschickt. 
SPÖ-Parteichef Gerhard Buchleitner fordert jetzt ein generelles Waffenbesitzverbot für Privatpersonen. Nur besonders gefährdete Berufsgruppen wie etwa Taxilenker, Sportschützen und Jäger sollten in Zukunft neben der Exekutive noch Waffen besitzen dürfen. Auslöser für Buchleitners neuerlichen Appell war die Tragödie von Straßwalchen, bei der am Wochenende ein Mann seine zwei Kinder, seine Lebensgefährtin sowie deren Kind erschossen hatte. "Wenn da nicht zufällig die Waffen zu Hause herumliegen, könnten Opfer vielleicht noch leben", sagte Buchleitner. Scharfe Kritik übte Buchleitner an der Haltung der Bundes-ÖVP, die sich seit Jahren gegen eine Einschränkung des privaten Waffenbesitzes wehre. "Niemand in der ÖVP sieht anscheinend, was die Pistole im Nachtkastl anrichten kann. Eigentlich unvorstellbar, wo es doch allein in den vergangenen Monaten an tragischen Beispielen nicht gemangelt hat." 
Auch der Grüne Landtagsabgeordnete Cyriak Schweighofer fordert schon länger ein Verbot für Schußwaffen im Privatbesitz. Kurzfristig wollen die Salzburger Grünen durchsetzen, daß alle Waffenscheinbesitzer nachträglich einen Psychotest absolvieren müssen. 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 22. Juni 1999:

Thaler gab seine "Walther" ab
SPÖ-Klubchef folgt der Aufforderung seines Parteiobmannes und legt die Waffe nieder

SALZBURG (SN-per). Die Diskussion über den Privatbesitz von Schußwaffen im Bundesland Salzburg kommt in Bewegung. Am Samstag lieferte der SPÖ-Klubvorsitzende im Landtag, Walter Thaler, sein Schießeisen höchstpersönlich bei der Gendarmerie ab: 
Pistole dem Gendarmen in die Hand gedrückt
"Ich will keine Waffe mehr haben nach diesen schrecklichen Vorfällen in Straßwalchen oder Mauterndorf", sagte der Politiker und drückte dem verdutzten Revierinspektor Reinisch die Walther PPK Kaliber 7.65 in die Hand. Walter Thaler: "Ich hoffe, daß ich damit beispielgebend wirken kann und sich andere Privatpersonen anschließen." Walter Thaler besaß die Waffe 15 Jahre lang. Er war Bürgermeister von Zell am See, als er sich den Waffenpaß zulegte. "Ich wurde damals mehrfach bedroht. Die Gendarmerie riet mir aus Sicherheitsgründen zu einer Waffe. Sie lag seither im Safe", berichtet der Politiker. Die Ereignisse in Österreich hätten mittlerweile gezeigt, daß privater Waffenbesitz generell ein hohes Sicherheitsrisiko darstelle. 
Diese Meinung vertritt auch der FPÖ-Abgeordnete Andreas Schöppl. Der engagierte Rechtsanwalt weiß aus Berufserfahrung, "daß eine Schuß-waffe eher Gewalt provoziert als verhindert". Der Anwalt räumt aber ein, "daß sich manche Menschen sicherer fühlen, wenn sie eine Waffe zu Hause haben. Das respektiere ich. Ich persönlich will keine Waffe zu Hause haben." Schöppls Parteicherf Karl Schnell denkt da anders. "Die Sicherheit in Österreich kann vom Staat nicht mehr gewährleistet werden. Das gibt selbst der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit zu. Da kann man den privaten Waffenbesitz nicht generell verbieten", erklärt Schnell. Er selbst besitze eine Pistole noch aus seiner Zeit als Arzt. "Ich habe oft Drogen für Krebspatienten transportieren müssen. Ich habe die Waffe aber nie geladen. Nicht einmal Munition ist drin. Im Ernstfall könnte sie nur als Abschreckung dienen." 
Jäger werden vom Waffenverbot ausgenommen
Ginge es nach der SPÖ, so soll Karl Schnell, wie alle privaten Waffenbesitzer auch, seine Pistole schon bald abgeben müssen. Im Landtag soll ein entsprechender Appell an die Bundesregierung eingebracht werden. Nur Jäger, Sportschützen und Risikogruppen wie Taxilenker sollten noch Waffen besitzen dürfen. Dem Weidwerk eng verbunden sind etwa Landeshauptmann Franz Schausberger und SPÖ-Mann Johann Holztrattner. 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 23. Juni 1999:

Waffen: Hartes Duell
VP gegen Verbot - SP erhält Unterstützung von Gendarmerie

SALZBURG (SN-alf). Das Verbot von Waffen entzweit SPÖ und ÖVP. Mit dieser von LH-Stv. Gerhard Buchleiter (SPÖ) nach dem Familiendrama in Straßwalchen aufgestellten Forderung kann die Volkspartei nichts anfangen. Gerlinde Rogatsch, VP-Landesgeschäftsführerin, sagte, daß auch ein totales Waffenverbot die Tragödie nicht hätte verhindern können. Dadurch wären die familiären, finanziellen und sozialen Probleme nicht aus der Welt geschafft worden. 
Hingegen sei die Gefahr sehr groß, daß die Waffenbesitzer durch ein strenges Verbot in die Illegalität getrieben würden. Dies müsse unbedingt verhindert werden, so Rogatsch. Die VP verlangt eine strenge und konsequente Kontrolle des Mitte 1997 in Kraft getretenen Waffengesetzes. "Es müssen unbedingt rigorose Überprüfungen bezüglich der ordnungsgemäßen Verwahrung der Waffen durchgeführt werden. Außerdem sollen die vorgesehenen Eignungstest sicherstellen, daß die betreffenden Personen mit Waffen umgehen können", so Rogatsch. Eine ernsthafte Kontrolle und Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen sei weit wirksamer als jede andere Maßnahme, die dazu führt, bislang legale Waffenbesitzer in die Illegalität zu drängen, so die VP-Politikerin. 
Gendarmerie-Chef für Verbot von Waffen
Anders beurteilt Landesgendarmeriekommandant Ernst Kröll die Lage. "Die Initiative von Buchleitner zur Einschränkung des privaten Waffenbesitzes hat meine volle Unterstützung", sagte Kröll am Dienstag. Er sei dagegen, daß Leute aus Gründen der Selbstverteidigung Waffen kaufen. "Die Benützung einer Schußwaffe erfordert eine solide Ausbildung und permanentes Training", so Kröll. Dies sei bei Privatpersonen ohnehin nicht gegeben. Die wenigsten Leute können ständig den sicheren Umgang mit Waffen trainieren. "Das hat zur Folge, daß sie im Notfall nur sich selbst und ihre unmittelbare Umgebung gefährden", argumentiert der Landesgendarmeriekommandant. 
Außerdem verhindern die strengen Bestimmungen zur Aufbewahrung von Schußwaffen in Privathaushalten, daß die Waffe im Notfall auch wirklich schnell zur Hand sei, so Kröll. Denn die Waffe müsse ohnehin ungeladen und von der Munition getrennt aufbewahrt werden. Dadurch wird die Idee der Selbstverteidigung durch Schußwaffen aber überflüssig, so der Gendarmeriekommandant. 



Aus den Salzburger Nachrichten vom 24. Juni 1999:

Vor allem legale Waffen bei Familien-Morden

SALZBURG (SN-alf). Neue Argumente für die Einschränkung des privaten Waffenbesitzes präsentierte am Mittwoch die SPÖ. Demnach hat es in Österreich in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 367 Morde und Mordversuche gegeben. In 189 Fällen wurden dabei legale, in 178 Fällen illegale Schußwaffen verwendet. In der Statistik wird auch unterschieden, in welchem persönlichen Verhältnis Täter und Opfer zueinander standen. In 37 Prozent der Fälle lag eine Hausgemeinschaft vor, in 33,24 Prozent persönliche Bekanntschaft und in 29,7 Prozent kannten sich Opfer und Täter nicht. Auffällig ist nach Meinung der SP, daß vier Fünftel (81,5 Prozent) der Morde und Mordversuche, vor denen Opfer und Täter in Hausgemeinschaften gelebt hatten, mit legalen Schußwaffen begangen wurden. Bei Taten, bei denen Opfer und Täter einander nicht kannten, wurden nur zu 21,2 Prozent legale Waffen verwendet. Daher, so die SP, "die Waffen weg".



Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Buchleitner
Presseaussendung am 25. Juni 1999

Startschuß für "Waffen weg!"
Salzburger Initative will schärferes Waffengesetz

Einen symbolischen "Startschuß" gab heute, Freitag, 25. Juni 1999, Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Buchleitner für die Initiative "Waffen weg!". Mit einer landesweiten Unterschriftenaktion wollen prominente SalzburgerInnen für ein schärferes Waffengesetz werben, das der Nationalrat beschließen müßte. Symbolisch ist der "Startschuß" deshalb, weil der Sozial- und Jugendreferent des Landes keinen Waffenschein besitzt und Schußwaffen in den eigenen vier Wänden für ein untaugliches Mittel zur Selbstverteidigung hält: "Die Blutbäder von Straßwalchen und Mauterndorf, bei denen insgesamt elf Menschen, darunter vier Kinder, ums Leben kamen, wurden mit rechtmäßig erworbenen Schußwaffen angerichtet. Diese Tragödien könnten durch ein Waffenverbot nicht verhindert, aber zumindest erschwert werden. Jedes einzelne Leben, das gerettet werden kann, ist kostbarer als das Recht, eine Waffe zu besitzen. Weniger Waffen bedeuten mehr Sicherheit." 

Dieser Ansicht haben sich zahlreiche prominente SalzburgerInnen angeschlossen, die nun gemeinsam - über alle Parteigrenzen, Glaubensbekenntnisse und Weltanschauungen hinweg - für ein generelles Verbot von Schußwaffen in Privathaushalten werben. Ausnahmen soll es lediglich - unter strengen Auflagen und Kontrollen - für Jäger, Sportschützen, Sammler und gefährdete Berufsgruppen geben. Der Salzburger Initiative gehören vorerst an: Mag. Paul Arzt (Kinder- und Jugendanwalt), Gerhard Buchleitner (Landeshauptmann-Stellvertreter), Dr. Luitgard Derschmidt (Präsidentin der Katholischen Aktion), Manuela Gappmayer (Mauterndorf), Ernst Kröll (Landesgendarmeriekommandant), Prof. Dr. Gunther Ladurner (Leiter der Landesnervenklinik), Dr. Siegfried Pranger (Vorsitzender der Katholischen Männerbewegung), Dr. Karl Schweiger (Polizeidirektor), Mag. Dagmar Stranzinger (Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg), Univ.-Prof. Dr. Barbara Wicha (Politikwissenschafterin) und Spieler des SV Wüstenrot Salzburg (Franz Aigner, Heinz Arzberger, Rene Aufhauser, Amir Bradaric, Edi Glieder, Adi Hütter, Robert Ibertsberger, Richard Kitzbichler, Manfred Pamminger, Heimo Pfeifenberger). Weitere UnterstützerInnen aus Politik, Bildung, Wissenschaft, Kirche, Kultur, Sport, Wirtschaft und Medien werden nun gesucht. 

Auch bundesweit unterstützen zahlreiche Prominente die Forderung nach einer Abrüstung in Österreichs Haushalten. Darunter befinden sich etwa Kardinal König, Gertraud Knoll, Karl-Heinz Böhm, Josef Hader, Helmut Zilk, Erika Pluhar, Karin Resetarits, Werner Schneyder und Erika Weinzierl. "Die Salzburger Bevölkerung soll unter dem Eindruck der Tragödie von Straßwalchen die Möglichkeit haben, mit ihrer Unterschrift Druck auf das Parlament auszuüben. Damit es mehr Sicherheit durch weniger Waffen gibt", sagt Landeshauptmann-Stellvertreter Buchleitner. 

Kontaktadresse: Friedensbüro Salzburg, Steingasse 47, 5020 Salzburg, Telefon und Fax (0662) 873931, E-Mail: friedensbuero@salzburg.co.at - Unterschriftenlisten und Informationen sind auch im Internet verfügbar: http://www.salzburg.co.at/waffen-weg



Aus den Salzburger Nachrichten vom 26. Juni 1999:

Polizeidirektor: "Waffen weg!"

 Auch Heimo Pfeifenberger gegen privaten Waffenbesitz - Unterschriftenaktion -
 Protest der Händler

 SALZBURG (SN-per). Immer mehr prominente Salzburgerinnen und Salzburger schließen sich der Initiative "Waffen weg!" an. Die von Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Buchleitner ins Leben gerufene Aktion zur Verschärfung des Waffengesetzes wurde am Freitag auf eine überparteiliche Ebene gehoben. Mit ihrer Unterschrift wollen die Betreiber das Parlament dazu bringen, ein generelles Verbot von Schußwaffen in Privathaushalten zu erlassen. Ausnahmen soll es für Jäger, Sportschützen, Sammler und Angehörige von gefährdeten Berufsgruppen (z. B. Taxilenker) geben.
Zu den Unterstützern der Aktion zählen neben Gendarmeriekommandant Ernst Kröll nun auch Salzburgs Polizeidirektor Karl Schweiger, Nervenklinik-Chef Gunther Ladurner, die Politikwissenschafterin Barbara Wicha, der Salzburger Kinder- und Jugendanwalt Paul Arzt, die Präsidentin der Katholischen Aktion, Luitgard Derschmidt sowie die Journalistin und Kulturmanagerin Manuela Gappmayer aus Mauterndorf. Ihr Vater, der Schuldirektor Werner Gappmayer, war im vergangenen Jahr von einem wildgewordenen Amokschützen erschossen worden. Für ein Waffenverbot sprechen sich auch Fußballer von Austria Salzburg aus: Heimo Pfeifenberger, Edi Glieder, Adi Hütter, Richard Kitzbichler, Robert Iberstberger, Rene Aufhauser.
Der Waffenhandel protestiert gegen die Aktion. Reinhold Sodia: "Dort, wo Waffen verboten wurden, in England und in Australien, dort gibt es jetzt mehr Kriminalität und Schwarzhandel. Tragödien sind nicht durch Waffenverbote zu verhindern, sondern bestenfalls durch psychologische Hilfe und Betreuung."



Aus der Kronen Zeitung vom 17. Juli 1999

Stimme der Tiere ist gegen Waffen
VP-Mandatarin nicht auf Parteilinie

Die "Stimme der Tiere" im Salzburger Landtag, die von der OVP nominierte Tierärztin Traudl Wagner-Schöppl, hält nichts von Feuerwaffen in privaten Wohnzimmerschränken - und schert damit aus der offiziellen Parteilinie aus. Für sie kein Problem, weil sie kein Mitglied der Volkspartei ist. "Außerdem folge ich in erster Linie der Stimme meines Gewissens", sagt die Ärztin, die sich beim Waffenverbot mit Salzburgs Exekutivchefs einig ist.



Aus dem Kurier vom 17. Juli 1999

Das Gewissen geht für Politikerin vor Parteilinie
Salzburgerin zeigt Mut in der Waffenverbotsfrage

Es ist erstaunlich, wie erstaunt die Öffentlichkeit reagiert, wenn sich eine Politikerin nicht von ihrer Partei vergattern läßt. "Ich sage und denke, was ich will!" beharrte ÖVP-Landtagsabgeordnete Gertrude Wagner-Schöppl und unterschrieb einen Aufruf der Landtags-SPÖ. SP-Chef Gerhard Buchleitner hatte angesichts der Amokläufe waffentragender Familienväter die Initiative "Waffen weg" gestartet: Privater Waffenbesitz soll, bis auf wenige Ausnahmen, verboten werden. Buchleitner legte Unterschriftenlisten auf, Wagner-Schöppl unterschrieb - gegen die Linie der eigenen Partei. Gerlinde Rogatsch, Salzburger VP-Frontfrau, reagierte zornig auf Buchleitners Vorstoß und legte für ihre Partei fest, privater Waffenbesitz müsse erlaubt bleiben. Sogar in den EU-Wahlkampf zog die VP damit per Postwurf. Dies kümmert Tierärztin Wagner-Schöppl, die als Parteilose für die VP im Landtag sitzt, nicht: "Ich entscheide nach meinem Gewissen." Sie wisse sich mit vielen VP-Mandataren einer Meinung: Waffen gehörten aus dem Privatbesitz weitgehend eliminiert, sie würden folgenschwere Affekthandlungen begünstigen. "Man muß die Familien schützen", sagt die mutige Tierärztin und legt sogar in ihrer Praxis Buchleitners Unterschriftenlisten auf.



Aus den Salzburger Nachrichten vom 10. September 1999

Waffe bringt Stress
Gendarmeriechef Kröll warnt bei Diskussion im SN-Saal

SALZBURG (SN-per). Keine Annäherung der Standpunkte brachte Mittwoch Abend eine Diskussion des Renner-Instituts im SN-Saal zum Thema privater Waffenbesitz. Maria Navarro, einst selbst von einem Klienten angeschossene Rechtsanwältin aus Linz und Obfrau des Vereines "Waffen weg", trat für eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes ein. Ihre wesentlichen Forderungen: Schusswaffen nur noch für Jäger, Sportschützen und Personen, die beruflich eine Waffe brauchen. Ihr Argument: Waffen brächten nicht mehr Sicherheit, sondern Gefahr, auch für den Besitzer. Die Hälfte aller mit Schusswaffen begangenen Morde würden mit legal erworbenen Schießeisen ausgeführt.

Dem konterte der Präsident der Interessengemeinschaft "Liberales Waffenrecht in Österreich", Franz Csaszar, dass laut Aussagen der Sicherheitsbehörden die Probleme mit legalen Waffenbesitzern sehr, sehr gering seien. Eine vor allem von der SPÖ betriebene Kampagne gegen rechtmäßige Waffenbesitzer versuche das Grundrecht auf Notwehr zu untergraben. Die Zahl der ausgestellten Waffenbesitzkarten habe sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Die Zahl der Missbräuche von Waffen sei gleichzeitig um rund 50 Prozent zurückgegangen, sagte Csaszar.

Experten der Exekutive warnten dennoch vor privatem Waffenbesitz. Gendarmeriekommandant Ernst Kröll, langjähriges Mitglied der Sondereinheit Kobra, sprach von der hohen psychischen Belastung für Waffenbenützer. "Der Schütze wie auch das Opfer befinden sich in einer extremen Stresssituation. Wir haben das mehrmals getestet. Auch die besten unter uns haben das kaum ausgehalten. Wer glaubt, er könne sich eine Waffe unter den Polster legen und einfach ziehen, wenn der Böse kommt, der irrt." Er gehe zudem davon aus, dass die meisten Waffenbesitzer mit der Waffe kaum umgehen könnten.

"Mit Hund oder Alarmanlage gegen Einbrecher"

Polizeidirektor Karl Schweiger berichtete von schweren Mängeln bei der Verwahrung von Schusswaffen und Munition. An Menschen mit erhöhten Sicherheitsbedürfnis gerichtet, riet Schweiger: "Einen Einbrecher schrecken sie mit einer guten Alarmanlage oder einem Hund besser ab als mit einer Waffe." SPÖ-Chef Gerhard Buchleitner entschuldigte sich für einen SPÖ-Jungfunktionär, der in einer Aussendung "alle Waffenbesitzer als potentielle Mörder" bezeichnet hatte. Er werde aber weiterhin für eine drastische Einschränkung des Waffenbesitzes eintreten. Der Psychologe Wolf Dietrich Zuzan meinte, die eigentliche Ursache für viele Familientragödien sei starke Aggression. Die Gewaltbereitschaft nehme zu. Dies zeige sich bei psychologischen Tests zur Erlangung des Waffenscheines.



Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Buchleitner
Presseaussendung am 28. September 1999

6.000 Unterschriften für "Waffen weg!"
Buchleitner übergab Unterschriftenpaket an Innenminister Schlögl
Salzburger Initiative wird fortgesetzt 

Die ersten 6.000 Unterschriften für die von ihm gestartete Initiative "Waffen weg!" im Land Salzburg konnte gestern, Montag, 27. September 1999, Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Buchleitner an Innenminister Mag. Karl Schlögl übergeben. Prominente SalzburgerInnen - darunter Polizeidirektor Karl Schweiger, Landesgendarmeriekommandant Ernst Kröll, Frauenbeauftragte Dagmar Stranzinger, die Präsidentin der Katholischen Aktion, Luitgard Derschmidt, Kinderanwalt Paul Arzt, ÖVP-Landtagsabgeordnete Gertraud Wagner-Schöppl und Spieler des SV Wüstenrot Salzburg - hatten mit ihrer Unterschrift für die Initiative geworben. Buchleitner wies auf die breite Zustimmung hin, die seine Forderung nach einer Verschärfung des Waffenbesitzes  in der Bevölkerung gefunden hat: "Ohne besondere Werbung haben sich Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen für ein Verbot des privaten Waffenbesitzes ausgesprochen." Seine volle Unterstützung für die Initiative sicherte Minister Schlögl zu.  Er werde sich in der Bundesregierung für eine Verschärfung des Waffengesetzes einsetzen, so Schlögl.

Ausnahmen, so der Text der Initiative, solle es lediglich für Jäger, Sportschützen, Sammler und besonders gefährdete Berufsgruppen geben. Auslöser für das Engagement des Salzburger SPÖ-Chefs war eine Familientragödie in Straßwalchen im Juni dieses Jahres, bei der fünf Menschen - darunter drei Kinder - starben. Der 33-jährige Herbert Rach tötete seine Familie und sich selbst. Die Tat wurde mit einer legalen Schusswaffe verübt. "Bei zwei Drittel aller Gewalttaten im Familienkreis sind rechtmäßig erworbene Schusswaffen im Spiel. Würde keine Waffe zuhause liegen, könnte so manche Kurzschlusshandlung verhindert werden", begründete Buchleitner seinen Einsatz für ein Waffenverbot.

In den nächsten Wochen wird die Initiative fortgesetzt. "Die nächste Bundesregierung muss sich auf jeden Fall mit der Verschärfung des Waffengesetzes beschäftigen", forderte Buchleitner. Widerstände anderer politischer Kräfte bezeichnete der SPÖ-Vorsitzende als "vollkommen unverständlich". Jedes einzelne Leben, so Buchleitner, sei kostbarer als das Recht eine Waffe zu besitzen: "Weniger Waffen bedeuten mehr Sicherheit."


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Diese Initiative wird unterstützt von Mag. Paul ARZT (Kinder- und Jugendanwalt), Gerhard BUCHLEITNER (Landeshauptmann-Stellvertreter), Dr. Luitgard DERSCHMIDT (Präsidentin der Katholischen Aktion), Manuela GAPPMAYER (Mauterndorf), Ernst KRÖLL (Landesgendarmeriekommandant), Dr. Siegfried PRANGER (Vorsitzender der Katholischen Männerbewegung), Dr. Karl SCHWEIGER (Polizeidirektor), Mag. Dagmar STRANZINGER (Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg), Univ.-Prof. Dr. Barbara WICHA (Politikwissenschafterin), Spielern des SV Wüstenrot Salzburg (Franz AIGNER, Heinz ARZBERGER, Rene AUFHAUSER, Amir BRADARIC, Edi GLIEDER, Adi HÜTTER, Robert IBERTSBERGER, Richard KITZBICHLER, Manfred PAMMINGER, Heimo PFEIFENBERGER) und vielen weiteren UnterstützerInnen aus Politik, Bildung, Wissenschaft, Kirche, Kultur, Sport, Wirtschaft und Medien.

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